Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 07-2016 - 29.08.2016
Hoffest der DGB-Region Düsseldorf-Bergisch Land in Düsseldorf

Update zur Integration von Geflüchteten

Sigrid Wolf und ihr Team aus der DGB-Region Düsseldorf-Bergisch Land hatten für ihr drittes Hoffest die „gelingende Integration von Geflüchteten“ als Thema gewählt. Den rund 250 anwesenden Gästen aus Gewerkschaften, Politik, Verwaltungen und anderen Interessenvertretungen wurde für das Thema ein vielseitiges Update geliefert. Sigrid Wolf als DGB-Stadtverbandsvorsitzende in Düsseldorf und Thomas Geisel, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Düsseldorf gaben zur Begrüßung jeweils einen Überblick über die Situation und die jeweiligen, teilweise auch gemeinsamen, Herangehensweisen an die Integration vor Ort in Düsseldorf.

V.l.n.r. Miriam Koch, Roland Schüßler, Antonia Kühn, Nihat Öztürk, Annelie Buntenbach

V.l.n.r. Miriam Koch, Roland Schüßler, Antonia Kühn, Nihat Öztürk, Annelie Buntenbach Foto: Thomas Ziegler

Die Gesprächsrunde, moderiert von Antonia Kühn, behandelte das Thema aus unterschiedlichsten Standpunkten und zeigte Ansätze zur Verbesserung verschiedener Situationen und Prozesse. So nannte z.B. Miriam Koch, die Erste Flüchtlingsbeauftragte der Landeshauptstadt Düsseldorf die Zahlen zu den momentan in Düsseldorf untergebrachten Geflüchteten Menschen. Es sind aktuell ca. 7200 Personen. Die Zahl war zwischenzeitlich mit ca. 11.000 Personen wesentlich höher und hat sich durch Veränderungen in der Zuweisung verringert. Die Einwohnerzahl von Düsseldorf beträgt ca. 610.000 Personen, was bedeutet, dass auf ca. 85 Einwohner ein Flüchtling kommt. Wenn man die Zahlen so in Relation setzt, sollte man meinen, dass eine Stadt wie Düsseldorf den Integrationsprozess gut meistern könnte. Das vorrangige Ziel in Düsseldorf besteht darin, die Notfallunterbringungen aufzulösen und die geflüchteten Menschen in normalen Wohnungen unterzubringen, um Konfliktpotentiale zu verringern. Dazu gehört u.a. die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

Roland Schüßler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit in Düsseldorf und Nihat Öztürk, Geschäftsführer der IG Metall Düsseldorf/Neuss, befassten sich mit der Integration in den Arbeitsmarkt. Einerseits fehlen bei den geflüchteten Menschen oft Schulabschlüsse, Sprachkenntnisse und berufliche Ausbildungen. Andererseits betreiben viele Unternehmen eine rigorose „Bestenauslese“, was sie sich angesichts des Verhältnisses von ca. 6.000 gemeldeten offenen Stellen zu ca. 40.000 arbeitsuchenden Personen in Düsseldorf leisten können. Einzig die Handwerksbetriebe zeigen ein starkes Engagement und eine große Ausbildungsbereitschaft und kümmern sich darüber hinaus auch oft um private Probleme ihrer Mitarbeiter. Herr Öztürk wünschte sich die Verankerung von Förderungen in den Tarifverträgen um dieses Ungleichgewicht auszugleichen.

Annelie Buntenbach, Mitglied des DGB-Bundesvorstandes, brachte den „Blickwinkel Deutschland“ mit. Sie kennt und gestaltet Vereinbarungen und Programme zur Integration auf Bundesebene mit und lernt sehr viel bei Gesprächen mit regional tätigen Personen und Organisationen. Sie hat dabei erfahren, wie wichtig es ist in Berlin manche Weichenstellungen zu ändern und dafür zu sensibilisieren, dass z.B. auch Flüchtlinge über 17 Jahren schulisch gefördert werden, damit die im Herkunftsland nicht stattgefundene Schulbildung nachgeholt wird und dadurch Grundlagen für betriebliche Ausbildungen geschaffen werden.

Alle Gesprächsteilnehmer/-innen waren sich einig, dass Integration gelingen kann, wenn man die Vergangenheit als Vorbild nimmt. Schließlich gab es in Deutschland immer wieder Phasen großer Zuwanderung, die mit entsprechendem Engagement aus heutiger Sicht gut gemeistert wurden und das Land in vielerlei Hinsicht bereichert haben. Es ist wichtig, der Bevölkerung Zukunftsängste zu nehmen, da sie sonst in die Arme von rechtsgerichteten Parteien getrieben werden kann.

Wilfried Schmickler

Wilfried Schmickler Foto: © Anne Orthen

Der Kabarettist Wilfried Schmickler brachte eine klare Darstellung der aktuellen Situation mit kurzen, pointierten Sätzen und sehr anschaulichem Sprachgebrauch. Die Zuhörer waren hingerissen und geflasht von dieser bodenständig wirkenden Sprachartistik, die mit jedem Satz und Gedicht begeisterte. Ein Gymnasiallehrer sprach gar von dem „Kurt Tucholsky der heutigen Zeit“.

V.l.n.r. Thomas Högel, Silvia Högel, Gunter Fischer

V.l.n.r. Thomas Högel, Silvia Högel, Gunter Fischer Foto: Privat

Bei künstlerisch hochwertiger, instrumentaler Begleitmusik von vier Vollblutmusikern mit Migrationshintergrund verlief der weitere Abend mit vielen neuen Begegnungen und interessanten Gesprächen. Interessant und kurzweilig für die meisten der anwesenden Personen, zu denen auch der DGB-Kreisverband Viersen, vertreten durch Thomas Högel, Silvia Högel und Gunter Fischer zählte. Die klaren Worte und Schilderungen von Zuständen und Wünschen haben auch uns Veränderungen des Blickwinkels bewirkt, die wir in Zukunft weiter beobachten und publizieren werden. Ein herzliches Dankeschön dafür.

V.l.nr. Klaus Churt, Sigrid Wolf, Thomas Högel, Silvia Högel, Gunter Fischer.

V.l.nr. Klaus Churt, Sigrid Wolf, Thomas Högel, Silvia Högel, Gunter Fischer. Foto: Privat


Nach oben
Suchbegriff eingeben
Datum eingrenzen
seit bis